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Grenzübertritt No1

… auf Schnüffeltour durch Ramallah.

Spätestens in dem Moment, als wir den Checkpoint im Bus passierten, war klar- das hier hat nichts mehr mit Israel zu tun. Allein der Strassenverkehr würde ausreichen, um jeden Westler an die Decke zu treiben. Ein ständiges Hupen, mehrere Autos auf einer Fahrbahn, eher werden hier Verkehrsregeln an die Autofahrer angepasst, als andersherum. Denn hier kommt das arabische Machogehabe in seinen ganzen Ausmaßen an die Oberfläche. Ich bin der King, mir gehört die Straße. Und das denkt jeder. Kreisverkehre können da schon einmal geradeaus überquert und eine Einfahrt zur Ausfahrt werden. Solange das Ego groß genug ist, passiert schon nichts. Und wenn doch- wer hat nicht Lust auf einen Hahnenkampf.

Nach ungelogen einer kompletten Stunde waren wir dann endlich da. Es sind 25 Km von Jerusalem nach Ramallah. Und die Stunde ist gezählt, nachdem wir den Checkpoint passiert hatten. Das war im Bus übrigens einfacher als erwartet- ein arabischer Linienbus der hier „Sherut“ genannt wird. (Achtung: Nicht zu verwechseln mit „Sherutim“- das sind nämlich die Toiletten)

Mitten im Leben in einer arabischen Stadt. Alle sind angenehm entspannt auf der Strasse unterwegs. Ein bisschen chaotisch für den deutschen Touristen vielleicht- aber auf eine sehr erfüllende und warme Art und Weise. Es riecht nach Gewürzen, 2 Meter weiter eine der vielen gerauchten Shishas (ein Erkennungsmerkmal von arabischen Städten auch innerhalb Israels) , Gemüsehändler auf der Strasse, ein Mann mit einem was-auch-immer auf dem Rücken:

Ein Mann und Blumen

Ein Mann mit Blumen in der Innenstadt

 

Ein typischer kleiner Laden (inklusive Shisha)

 

Leider habe ich kein Foto gemacht von dem sehr kleinen Lädchen, in dem wir dann dem Drang erlegen sind, Gewürze zu kaufen. Nicht wie die Araber in Kilotüten, sondern nur einmal zum Probieren. 20 Gramm des Lila-Zeugs, 30 Gramm Koriander, ein kleiner Beutel halb voll mit Zimt, ein paar Nelken, Minze und Salbei- insgesamt habe ich sage und schreibe 8 Schekel für alles zusammen passiert. An die Blicke musste ich mich allerdings erst gewöhnen- man sieht wohl nicht so häufig 4 Ausländer, die sehr angeregt in einer fremden Sprache diskutieren, was für ein Gewürz denn so schön blau/lila etc ist!

Banen(stamm)

Ganz tolles Gemüse und Obst gab es dann auch- wie hier zu sehen. Der Markt war echt toll! Und wir sind weitergegangen- je länger wir da waren, fiel mir immer mehr auf wie warm, tolerant diese Stadt sich anfühlt. So lebendig, so jung, so liberal. Vielleicht das Tel Aviv Palästinas. Auf jeden Fall eine wesentlich leichtere Athmosphäre als in Jerusalem. Nur eines sollte man lassen- hebräisch ist ein No-Go hier. Der Blick hätte töten können beim Bedanken für den Wirklich leckeren Fleischspieß! Shukran anstatt Toda also!

Ein Strassenbild

 

Der zentrale Platz mit der zentralen Forderung! Ein Staat!

Weiter erwartete uns die nächste Überraschung. Ich weiß nicht einmal warum das eine Überraschung war, aber irgendwie habe ich die arabischen Christen nicht auf der Rechnung gehabt. Auf israelischer Seite hatte ich sie komplett ausgeblendet. Israelische Araber waren ausschließlich Muslime für mich. Und bei den Palästinensern habe ich sie unterschätzt. Und nun standen wir vor diesem Laden:

Die tollste Vorweihnachtliche Überraschung!

Und dann war der halbe Tag auch schon vorbei. Auf dem Zentralen Busbahnhofparkplatz mit tausend Tüten angekommen, schockten uns dann ein paar Arabische Mitzwanziger- den letzten Bus nach Jerusalem hätten wir verpasst. Ich musste erst einmal lachen- das konnte ja nur uns passieren und freute mich schon ein wenig auf das Kommende Abenteuer, da kam der Bus dann doch.

Der brachte uns zum Checkpoint, da standen wir dann etwa 20 Minuten in einem Gang Käfig bis wir dann endlich unser Gepäck durch den Scanner schicken konnten (es ist übrigens verboten „seine Hände in den Scanner zu schieben“). Ausgerüstet mit Visa im deutschen Pass war das alles kein Problem. Die Soldatin hinter der (Plexi)Glasscheibe hat übrigens gerade telefoniert!

Der "Gang" endete an einer Drehtür

Ja das war mein erster Ausflug nach Ramallah- weitere werden folgen!

Bye Ramallah (fürs Erste)

 

Warum am Ende des Geldes…

noch soviel Monat übrig war! ( Stand 15.Novemeber Geld- 450 Schekel von 1900)  Oder Best of Jerusalem!

Wenn ich diesen Monat beschreiben müsste- nach dem „Ankommen und Einleben“ im Oktober war jetzt im November „Jerusalem(Er_Innen) kennenlernen“ an der Reihe! Ich glaube, ich war ganz erfolgreich! Nächsten Monat gehts daran, Jerusalem zu festigen und hebräisch auf Vordermann zu bringen und hoffentlich auch den arabischen Teil besser kennenzulernen! Es wird, es wird! 

Hier meine Top 10 des Monats:

1) 30 Minuten vorher haben wir uns beim Anstehen für die neue Busfahrkarte Jerusalems kennengelernt- dann gingen wir Essen in den vielleicht besten Humus Place in Jerusalem. Seitdem mein Lieblingsessensplatz für Herzhaftes im Zentrum Jerusalems. Ein Menue mit 2 Pitas, Tomaten Gurken Zwiebeln, 3 Falafel und Humus kostet 22 Schekel!Das „Ben Sira“, in der gleichnamigen Strasse direkt um die Ecke des Siras an der Yaffo Street. Sehr verführerisch! Danke Ulrike!

2) Der vielleicht beste „belgische Waffelmann“ in Jerusalem. Der liebe Sivan hat es mir gezeigt, nun bin ich abhängig. In den letzten zwei Wochen zwei mal eine Waffel mit Apfelmus-Schlagsahne und Tiramisu-Schococreme. Super kleiner, toller Laden, immer voll- nette Leute, wenig Touristen, klasse Athmosphäre. „Babette“ in der Shamai Street, 2 Minuten von der Yaffo.

3) Das Kadosch- französisches Flair, tolle Kuchen und Gebäcke. Dazu noch ein Bier und der Abend ist gut. Die Kellner waren toll. Ein netter Abend mit Jeremy und Matthias nach unserem ersten Ulpan Abend beim Kartentricks bestaunen. Immer wieder gerne!

4) Das Sira- die Tanzkneipe to go in Jerusalem. Bzw. einfach die einzige, in der ich bisher war. Verraucht, abgefuckt, man trifft immer Deutsche dort, Biergläser wechseln die Besitzer genauso wie Zigaretten und anderes Rauchbares. Electrosounds und alternativ- linkes Publikum verstärken den Eindruck- bin ich noch in Jerusalem?!

5) Essen und Wein. Zwei mal diesen Monat habe ich Besuch bekommen hier- zwei mal wurde sehr gut gekocht und es gab Wein dazu! Danke Clara und Joana, das waren immer sehr tolle Abende! Ich weiß nicht, warum ich das nicht schon vorher für mich entdeckt habe! 🙂 P.S.: Davor natürlich auf dem Shuk einkaufen!

Joana & Me

6) Das „Avraham“- neben dem Abraham Hostel direkt an der Yaffo gelegene Musikkneipe, in der kleinere Bands auftreten. Ich kann sowohl die heiße Schokolade als auch die Bruschetta empfehlen. Zum Quatschen empfiehlt sich diese Kneipe aber nur, wenn man schreit oder gerade niemand spielt. Kleine unbekannte, aber um nichten schlechte Künstler!

7) Endlich da gewesen und für klasse empfunden- das „Hakassetta“. Eine winzige Kneipe, auf der anderen Seite des hauses, wo auch das Uganda ist. Da das Uganda ja schon als „trendige Kneipe“ in vielen deutschen Reiseführern steht, eine wirklich gute Alternative. Vorallem mit weniger Deutschen, dafür mehr Bezalel Studenten (israelische Künstler). Durch die weniger als zwei Räume kommt man ganz schnell ins Gespräch!

8) Von vielen empfohlen, heute habe ich es endlich ausprobiert- das „Makaria“.  Auch in der (wie sollte es auch anders sein) Nähe der Yaffo Street. Relativ abgefuckt/alternativ aussehender Ort- ausgezeichnete Suppen, serviert mit Weißbrot (aber gutem) und Pesto. Das Geschirr/Inventar zusammengesammelt, hier und da fehlt ein Henkel an einer Tasse, einfaches Mobiliar; könnte aus einer ASF WG stammen alles- ebenso gemütliche, offene und lebendige Athmosphäre! Mit Or habe ich mich da getroffen, primär um über das ASF Sommerlager nächstes Jahr zu reden- jetzt sind wir Tandempartnerinnen!

9) Das Jerusalem Theatre- auf Einladung von Wanda waren wir bei Bachs „Der Streit zwischen Phoebus und Pan“. Freiwillige haben wohl öfter mal freien Eintritt. Bis jetzt war das immer an einem Montag- da habe ich Ulpan, aber irgendwann werde ich das bestimmt wieder machen!

10) Israel Museum- trotz des Rauswurfs nach 14 Uhr (kurz) vor Shabbatbeginn, Unbedingt einen Besuch Wert. Eine Austellung über die Sandkunst von Michel Ullmann war sehr sehr gut und die eigentliche Ausstellung werde ich bestimmt noch irgendwann sehen- in den ersten drei Dezemberwochenenden soll es (laut Wanda) weniger bis garkein Eintritt kosten! (Tag des offenen Museums mässig, nur über drei Wochenenden…) (und ja, keine Ahnung, wann wir vor Shabbat da wieder rausgeschmissen werden, kommt wie so ziemlich alles hier, auf nen Versuch an)

—-

wir sehen uns! 🙂

Israel-Unzensiert

Israel- das heißt endlich einmal das deutsche Herbstwetter verpassen, heute hat es wieder einmal geschüttet, gedonnert und geblitzt. Ich bin völlig durchnässt nach Hause gekommen- werde mir einen Regenschirm kaufen! Laut dem Bekannten einer Freundin soll es seit 20 Jahren nicht mehr so viel geregnet haben.

Cut

Wir sitzen im „Avraham“. Eine Musikkneipe in Westjerusalem- draussen warten Ultraorthodoxe auf den Bus nach Hause. Die Kneipe ist voll, die Stimmung ausgelassen. Der Sänger fragt zwischen zwei Liedern, wer denn überhaupt hebräisch spricht. Zwei Hände gehen in die Höhe. Er lacht und spricht weiter- auf hebräisch.

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Die Knesset diskutiert ein Gesetz, das ausländische Spenden an liberale israelische NGO’s einschränken soll. Meine Aufgabe im Jerusalem Open House ist es, deutsche Spender zu finden.

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18 von 24 meiner Schüler in der ersten Klasse sprechen nur arabisch. Um mich besser verständigen zu können, habe ich jetzt einen hebräisch Sprachkurs begonnen.

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Juden nehmen von vornherein an, ich wäre Christin, Araber fragen argwöhnisch, ob ich Jüdin bin. Wenn ich sage, dass ich nicht an Gott glaube, dann schauen alle entgeistert und verstehen die Welt nicht mehr.

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Die Ausstellungseröffnung für „Avant garde- jüdische Künstler aus Rumänien“ vom IsraelMuseum beginnt am Freitag um 12 Uhr. Um 14 Uhr werden wir herausgeworfen- Shabbat.

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Ein Kilo Äpfel kostet umgerechnet 3 Euro. Ein Kilo Gurken bekommt man schon für 40 Cent.

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Meine jüdisch-arabische Schule begeht keine jüdischen und muslimischen Feiertage sehr groß. Ich soll den Weihnachtsabend mit den Eltern meiner Klasse organisieren und die Schule weihnachtlich dekorieren.

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In der Guatemala haben wir momentan kein Warm Wasser- am Wochenende waren wir in Nahariya. Die Freiwilligen dort begrüßten uns mit „Ach übrigens müsst ihr kalt duschen hier- der Boiler ist kaputt“.

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Auf der Suche nach einem guten Wein vor dem Besuch meiner alten Dame gehe ich in ein Weinladen bei ihr Um die Ecke. Stellt sich heraus, der Inhaber ist der beste Kumpel des Wächters meiner Schule- er lädt mich ein, mal ein jazzkonzert einer seiner bands zu besuchen- Chitola. Der Wächter ist der Sänger mit der souligen Stimme:

 

 

Cut

Feiern auf israelisch: 50 Schekel macht ein Bier und ein paar mal Nippen, zwei Shots, ein paar Gläser Wein und ein Schnapps bei einer Feierbekanntschaft zu Hause und die Taxifahrt wieder nach Hause.

Das ist Israel… to be continued

Ulpan 2.0

Neuigkeiten- seit dieser Woche mache ich einen weiteren Ulpan Kurs hier in Israel. Das mit dem „Ich lerne jeden Tag eine halbe Stunde hebräisch“ hat sich nämlich als super Vorsatz erwiesen. Leider bin ich zu faul, um mich alleine hinzusetzen. Jetzt zwingen mich also 340 Euro, auch wirklich zu diesem Kurs zu gehen. Montag und Mittwoch abends zwischen 17:10 und 19:40. Bis Februar.

Vielleicht war der ausschlaggebende Punkt, dass ich mich immer noch nicht vernünftig unterhalten kann mit den Kids auf Arbeit. Vielleicht aber auch die Winks mit dem Zaunpfahl anspornenden Kommentare meiner Lehrerkollegen- Fannys(meine Vor-vorgängerin) hebräisch war einfach das Beste. In jedem Fall- ich mache den Sprachkurs!

Ein bisschen schade ist nur, dass ich dann die 150 Euro Zuschuss von ASF in den Wind schlage- der wäre nämlich für den ArabischKurs. Aber hey, man kann nicht alles haben und nur um der 150 Euro willen mir jetzt noch einen Arabischkurs antun, neee, soviel Freizeit habe ich dann doch nicht.

Am letzten Mittwoch war ich dann das erste Mal beim Kurs und hatte doch prompt das richtige Buch mit- das stand hier noch in der Wohnung rum. Vielen vielen Dank liebe Vorgänger, die dieses Buch benutzt und dagelassen haben. Wegen euch kann ich diesen Monat ein mal mehr weggehen 🙂

Das Ulpanbuch der Guatemala!

Meine Sprachlehrerin ist 54 jahre alt und macht das seit 20 Jahren, da bin ich also gut aufgehoben. In der Gruppe bin ich (mal wieder!) das Nesthäkchen- ansonsten sind da ein paar Studenten, ein paar ältere Arbeitende, ein paar Palästinenser und ein paar Rentner. 15 Leute insgesamt. Organisiert übrigens von dem „Hebrew Union College“, einer privaten Organisation, aber sie soll wohl sehr gut sein. Mal schauen, wie gut 🙂
Auf ein gutes Lernen! Ich sags euch, in ein paar Monaten, könnte ich sogar Gespräche auf hebräisch führen!

Meine Arbeit- die Schule (Teil 1)

Jaaa, ich arbeite wirklich schwer zu glauben? Für mich momentan auch. Aber sind auch nur noch zwei Wochen, dann habe ich wieder eine Woche muslimische Feiertage 🙂 I love my school^^

Ich arbeite in der
„Max Rayne School A Hand in Hand School for Bilingual Education in Jerusalem“

Das Eingansschild- so in etwa sehen alle Aufschriften aus! 😉

Die Fakten

Diese Schule ist die größte Zweigstelle des “Hand in Hand”(hebr. Yad be Yad) Projektes in Israel. Weitere Ableger gibt es in Haifa(Kindergarten und Grundschule) und Beersheva(Kindergarten) und in Galiläa. Der Schulkomplex hier in Jerusalem beinhaltet einen Kindergarten, eine Grundschule, eine Mittelschule und eine Gymnasialstufe! Insgesamt 530 Schüler und Schülerinnen- vom Kindergartenkind bis zum Abiturient- lernen und leben zusammen Toleranz. Das Ziel dieses Projektes ist es nämlich eine Verständigung zwischen jüdischen und arabischen Israelis durch eine gemeinsame Schulzeit mit allen Kulturen, allen Identitäten, allen Religionen und beiden Sprachen zu schaffen. Hier sitzen dann also christliche arabische Israelis, jüdische Israelis mit all ihren Migrationshintergründen und muslimische arabische Israelis gemeinsam in einer Klasse.
Die Max Rayne Foundation übrigens war der Geldgeber für das Gebäude des neuen Gebäudes! Daher der Name.

der Gebäudekomplex

Warum die Schule so einmalig ist bzw. ein Einblick in normale israelische Schulen

Wikipedia formuliert es positiv:

Das (israelische) Schulsystem ist auf die multikulturelle Bevölkerung abgestimmt. Es gibt unterschiedliche staatliche Schulen, deren Lehrplan an spezielle Gesichtspunkte, wie Sprache und Religion der Schüler, angepasst sind. Der kleinere Teil der israelischen Schüler besucht Privatschulen, die unter der Schirmherrschaft religiöser und internationaler Organisationen arbeiten.

Gut gemeint ist es schon, schließlich möchte man in einer multikulturellen Gesellschaft auch alle Identitäten bewahren und lehren; nur findet das hier anscheinend alles in exklusiven Schulen statt- extra Schulen für (Ultra)Orthodox-Jüdische Israelis, russisch-jüdische Israelis, Ethiopisch-jüdische Israelis, amerikanisch-jüdische Israelis und so weiter und so fort und Araber. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, jeder hat seine ganz eigene völlig korrekte Wahrheit und baut sich sein eigenes exklusives Weltbild. Das erste, was das ganze wieder aufbrechen kann, ist dann ironischerweise der Armeedienst. In diesem verrückten Land trägt die Armee wirklich zu Toleranz und einem friedlichem Miteinander bei. Zumindest unter denen, die dienen- die beiden größten Gruppen, die nicht dienen sind dementsprechend auch die, die am meisten Probleme mit dem israelischen Mainstream haben- Araber und Ultraorthodoxe. Nur der vollständigkeitshalber- beide Gruppen sind auch vom Armeedienst befreit. Das ist auch gut gemeint, Araber für den jüdischen Staat zum Kampf gegen andere Araber zu verpflichten, hört sich irgendwie genauso wenig kosher an, wie sehr Religiöse Menschen in ihrem Glauben einzuschränken und zum Dienst and der Waffe zu verpflichten.
Wie dumm nur, dass gut gemeint noch lange nicht gut ist!

Das Yad beYad Projekt versucht diesen multikulturellen Aspekt der Gesellschaft anders zu bewahren, nämlich durch ein Zusammenleben und lernen und einem aktiven Auseinandersetzen mit „dem Anderen“, vor allem bezogen auf die beiden großen Gruppen von Juden und Arabern!

Das Prinzip

Das Logo des Hand in Hand Projektes

dafür ist eigentlich leicht erklärt- es gibt einfach alles doppelt. Es gibt einen jüdischen und einen arabischen Direktor, einen jüdischen und arabischen Hausmeister, einen jüdischen und einen arabischen Kunstlehrer, jüdisch und arabische Sportlehrer, pro Klasse gibt es zwei Klassenlehrer (einen jüdischen und einen arabischen) und alle Aufschriften gibt es in, wer hätte es gedacht, hebräisch und arabisch (und englisch). Zu den Klassenlehrern muss ich noch sagen, dass sie nicht ihre Klassen behalten über mehrere Jahre wie in Deutschland, sondern dass sie in ihrer Klassenstufe bleiben und dadurch spezialisiert auf den Stoff der einzelnen Klassenstufen sind, aber die Schüler jedes Jahr wechseln.

Im Prinzip ist der Unterricht in Stunden mit den Klassenlehrern parallel auf hebräisch und arabisch und wenn es nur einen Lehrer gibt, dann unterrichtet der Lehrer in seiner Muttersprache. In den oberen Stufen ist es dann teils auch so, dass die Schüler mit dem gleichen Buch, aber jeder in seiner Muttersprache arbeitet. Insgesamt ein Riesensprachengewusel! 🙂 Und bei politischen Themen versuchen die lehrer vorher erst einmal untereinander zu diskutieren, um dann gemeinsam eine Linie für diese Diskussionen zu haben. Morgen Abend zum Beispiel treffen sich die Lehrer, um über Gilads Freilassung zu sprechen- da das Bildungsministerium eine Anfrage an alle Schulen geschickt hat, dass das besprochen werden soll. Und der Geschichtsunterricht- ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, aber alle sagen mir, dass im Unterricht über „israel“ ein jüdischer und ein arabischer lehrer zu einem geschichtlichen Zeitpunkt beide Perspektiven lehren und erklären und diese dann vergleichen. Das muss ich mir definitiv einmal anschauen später, wenn ich das ganze dann verstehen kann!

Wie das Prinzip in der alltäglichen Praxis aussieht, das werde ich dann bestimmt auch im Laufe des Jahres mitbekommen! 🙂

Vielleicht noch kurz. Weil es eine jüdisch-arabische Schule ist, läuft auch einiges wie Ferien und Schulzeiten anders als in anderen Schulen:

Die Unterrichtszeit in normalen staatlichen israelischen Schulen geht von ca. 8 Uhr bis 13:30! Hier bis 15:30, weil man möchte, dass die Kinder möglichst lange miteinander spielen, essen, lernen und leben. Die Zeit zwischen 13:30 und 15:30 wird dann aber nicht mehr aus öffentlichen Mitteln finanziert, sondern von den Eltern, was diese Schule zu einer Art halb-privaten halb-öffentlichen Schule macht.

Heute erst musste ich erfahren, dass Yad beYad nicht mehr Ferien hat, als andere öffentliche Schulen auch, sondern dass die Zeiten einfach nicht nur auf jüdische, sondern auf jüdische, muslimische und christliche Feiertage verteilt sind.

Soweit also erst einmal generell zu meiner Schule! Was ich da genau mache, kommt dann später! 🙂

Sukkot Spaziergang

10 Tage Nach RoshHaShana, dem jüdischen Neujahr, gibt es wie schon erwähnt Yom Kippur, den höchsten jüdischen Feiertag, an dem Gott das Urteil über jeden einzelnen Menschen in sein Buch schreibt. Kurz danach gibt es dann Sukkot. An Sukkot errinnert man an den Auszug aus Ägypten, weshalb es die Sukhas gibt, in denen man zu dieser Zeit leben soll. Auch „Laubhüttenfest“ genannt, hat es eine ziemliche Ähnlichkeit mit einem „Erntedankfest“ und geht hier über 8 Tage (12.Oktober bis 20.Oktober). Aber Miriam Woelke kann das alles viel besser erklären!

Da ich in  der jüdisch-arabischen Schule arbeite, hab ich jetzt also nach einer Woche „auf Arbeit“ Ferien. Über diese Woche im Unterricht sitzen, Kinder bespielen und sich an das Chaos gewöhnen werd ich aber erst später berichten, denn unsere Wanderung im Golan war sehr sehr entzückend:

Am 11.Oktober sind Katrin und ich mit dem Egged-Bus (die hiesige israelische Busgesellschaft) nach Afula gefahren, um dort erst einmal eine Nacht im Beit Uri bei einem Mitfreiwilligen von uns zu übernachten und die anderen dort zu treffen! Das Beit Uri ist ein anthroposophisches Dorf für Menschen mit Behinderung- an dem Abend saßen wir dann in der Runde mit bestimmt 10 weiteren Freiwilligen- natürlich alle aus Deutschland.

Am nächsten Tag gings dann weiter in den „Nahal Yehudiya“ Nationalpark! Leider sind wir erst ziemlich spät angekommen, so konnten wir dann nur einen kleinen Spaziergang machen: An Savanne und einem 2000 jahre alten jüdischen Dorf (also den Ruinen) vorbei, dann ein paar meter nach unten und dann endlich an einem Wasserfall und Pool! Very nice!
Der Eingang

Die Ruinen des 2000 jahre alten jüdischen Dorfes

Das Panorama

Joana und ich im Wasserfall

Silas,Katrin, Joana, Felix, ich und unsere neuen israelischen Freunde

Wie man an dem letzten Bild sieht, ist es unglaublich einfach in Israel leute zu finden, mit denen man etwas unternehmen kann. Die Israelis dort hatten wir gerade an dem Wasserfall getroffen, dann auf eine Shisha, Kaffee und Kuchen eingeladen und prompt haben wir den Abend mit Ihnen in einer entlegenen Campingstelle verbracht, zu der sie uns mit dem Auto gefahren haben. Das Essen wurde zusammengelegt und alle hatten eine tolle Zeit.

Vollmond im Golan

Nein, da haben wir nicht übernachtet, aber der Vollmond war trotzdem sehr nice. Wir lagen abends dann etwas in der Pampa, ziemlich in der Nähe der jordanischen bzw. syrischen Grenze und haben den Mond angeschaut und den Kojoten beim Mondanheulen zugehört, wenn nicht gerade unsere Handys wieder sms von orange (israelischer anbieter) oder syrischen und jordanischen Anbietern erhalten haben. Ich war in Jordanien laut Handynetz, Felix 2 meter neben mir, war in Syrien und Katrin hatte gerade wieder eine Benachrichtigung von israelischer Seite erhalten. Was lernen wir daraus: Alle streiten sich um den Golan!
Am nächsten morgen erst haben wir dann wirklich gesehen, wo wir übernachtet haben:

Unser Übernachtungsplatz

Zum Frühstück haben die Israelis uns dann Schackschuka gemacht und wir Kaffee und dann gings auch bald los. Tramping bis wir wieder am Nationalpark angekommen sind. Das war schon nen Ritt- zu fünft haben wir uns in zwei Gruppen aufgeteilt und von 9 bis ca. 11/12 gebraucht, um wieder am Startpunkt anzukommen. War aber auch Feiertag, muss man dazusagen!

Nach dem aufstehen

Katrin und Joana beim Schackschuka essen

Auf geht's, Trampen!

Und dann gings endlich los!

Ab Laufen, diesmal den längeren Weg, vorbei an 3 Wasserpools sollte es zu einem Wasserfall gehen. Erst einmal dann 400(?) Stufen Steinbrocken nach unten und dann weiter über Steine und Bäche ans Ziel. Eine sehr schöne Wanderung, die gleich mal wieder mit einem tollen Blick begann:

Da ganz nach unten, dahin müssen wir!

Wir sind eine echte zeit gelaufen und haben dann an den kleineren Pools angehalten und sind in wirklich kühlem Wasser baden gegangen, bevor wir dann an dem Pool angekommen sind, zu dem wir auch wollten- die Jungs sind dann erst einmal Springen gegangen!

Am Ziel: Felix auf dem Weg ins Wasser

Und dann gings gezwungenermaßen wieder 400 Stufen Steinbrocken nach oben- das war irgendwie schon anstrengend, aber oben angekommen, ist die Sonne langsam aber sicher untergegangen und hat einen tollen Blick über das Tal und den See Genezareth gegeben:

Das Tal und der See Genezareth

Ich bin dann an dem Abend noch zurück getrampt (im Auto mit zwei älteren Russen, die grade vom Fischen kamen), weil am nächsten Tag eine Einladung zum ShabbatEssen bei einer Lehrerin meiner Schule auf dem Programm stand. Der Rest ist noch weitergewandert.

Ich weiß noch nicht genau, wann ich das nächste mal wandern gehen werde. Vielleicht anfang November, denn da ist genau am 6. November das muslimische Opferfest. In Yad beYad, wie in allen arabischen Schulen in Israel, hat man in dieser Zeit frei- ich vom 6. bis zum 10.November.

bis dahin wünsche ich schöne Tage

Yom Kippur Spaziergang

Heute Morgen saßen Katrin (eine der Mitbewohnerinnen) und ich erst eine Weile auf unserem Dach, doch dann hat uns die Neugierde gepackt. Was ist an Yom Kippur in Kiryat Hayoval und Umgebung los?

So sind wir losmarschiert, mit Sack und Pack und einer Kamera und haben uns das Treiben angeschaut. Über Kiriat Menahem ging es zum Hadassah Krankenhaus und von dort aus über Ein Kerem wieder zurück nach kiriat Hayoval.

Eine feierliche Ruhe lag über der Stadt, nur unterbrochen von spielenden Kindern und singenden Männern aus den vielen Synagogen hier.

Dann ging es weiter über einige der vielen Spielplätze in der Umgebung. Als Deutsche konnten wir es uns natürlich nicht nehmen lassen, trotz des Feiertags unserer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen- Autofahren! Hier ist die Katrin am Steuer 🙂

Weiter ging es die Henrietta Szold (Straße) entlang- zu unserer Rechten dann liegt eines der grünen Täler von Jerusalem das Svedish Village und dort in der Nähe ist dann auch eine super goldene russisch-orthodoxe Kirche:

Weiter die Straße entlang, kommt man irgendwann zu DEM Krankenhaus in Jerusalem- dem Hadassah. Ein richtig großer Komplex:

Ich hatte kurz überlegt nach Tel Aviv an den Strand zum Wasser zu fahren- den Gedanken wegen der fehlenden Autos jedoch schnell verworfen. Wir sind weiter und waren dann nach etwa eineinhalb Stunden doch auch auf der Suche nach etwas Trinkbarem- leider hat ja alles geschlossen und so sind wir weitergelaufen-in Richtung Hause. Auf dem Weg kamen wir dann dem ersten benutzten Auto entgegen.

Aber alles kosher hier. Man  muss halt nur wissen wie! Uns kamen immer mal wieder ein paar verstreute Fahrradfahrer oder Touristen entgegen, die diesen Weg entlang der Natur auch so genossen wie wir. Die meiste Zeit aber begleitete uns eine angenehme Ruhe.

Und dann waren wir nach gesschätzten 2 Stunden in Ein Kerem. Ein Kerem ist der Stadtteil in Jerusalem, zu dem man am Shabat geht- denn der einzige in Westjerusalem, wo alle Cafès und Restaurants offen haben. Aber an diesem Shabat nicht, denn am heiligsten Tag kommt auch das Einkaufs und Ess- Leben in Ein Kerem zum erliegen.
Weiter durch Ein Kerem gab es dann wieder die schon fast zur normalität gewordenen Zeltlager- es war nicht ganz klar, ob das Solidaritätszelte waren oder ob sich die Leute dort wirklich keine Wohnungen leisten können, aber diesen Gedanken am Eingang des Zeltlagers find ich gut:

Und nach Ein Kerem folgte der schwierige Aufstieg in die Hochebenen von Jerusalem. Doch auch die meisterten wir und waren nach Zweieinhalb sehr kurzen Stunden wieder in Kiryat HaYoval. Wenn man einmal die ganzen Berge und Täler wegnimmt, ist Jerusalem doch garnicht sooo riesig. Es wirkt halt nur oft so.

Back Home genieße ich gerade einen Zitronentee und merke, dass die Sonne langsam aber sicher untergeht. Morgen gehts weiter mit dem Balagan und dem Hupen und der Hektik, aber solange genieße ich noch die Stille und fange an hebräisch zu lernen! Bis später!