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Der biblische Zoo

Am letzten Shabat sind Wanda und ich in den Zoo gegangen. Weil- erstens wir hatten Zeit und viel kann man ja nicht am Shabat tun und zweitens- er wurde uns empfohlen und sollte ein echt toller Zoo sein.
Ich habe also, wieder einmal, bei Wanda geschlafen und dann sind wir pünktlich eine Stunde zu spät von Talpiot in die Nähe der Malha Mall gelaufen, wo sich der Zoo befindet. Ein bisschen durch Beit Zafafa- ein arabischer Stadtteil- wo auch dementsprechend viel los war und wir uns bei Temperaturen von 20 Grad im Schatten plus Sonnenschein erst einmal ein Eis gekauft haben. Das erste in diesem Jahr, aber nicht das letzte an diesem Tag. Wir sind weiter und waren um 14 Uhr im Zoo. Der Eintritt war recht hoch, aber die Erwartungen an den Zoo haben sich übertroffen:

Viele viele sehr lebendige Tiere- meistens anständig große Käfige, und immer stand an den Beschreibungen dran, dass die meisten dieser Tiere entweder bedroht sind, wieviele Individuen es noch gibt und warum sie vom Aussterben bedroht sind. genauso gab es auch eine Arche Noah, in der in einem zeichentrickfilm dargestellt wurde, wie sehr der Mensch seine Erde und die Tiere zerstört und ausrottet und wie sehr das gegen Gottes Willen ist. Insofern hat dieser Zoo nicht nur sehr schöne tolle Tiere zum Bestaunen, Anfassen und sogar Füttern, sondern versucht auch auf die Ausrottung dieser Tiere Aufmerksam zu machen:

Die erste Station ist ein überdachtes Haus mit einer Reihe von terrarien und Aquarien für gestalten wie diese:

Der Frosch made by Wanda

dann ging es weiter- zu den vielen vielen Vögeln und papageien- neben normalen Käfigen hatten sie auch ein frei begehbares „haus“. Dort habe vielen Eltern die Kinder dabei fotografiert, wie sie die papageien fütterten. Für wen das wohl mehr Spaß war?

tolle Tiere

Papagei zum Füttern der zweite

einer der größten papageien der Welt

Sehr informativ immer diese Schilder- und ein echter gerechter unter den Völkern dieser Papagei!! ich habe in einem Zoo noch nie so viele Schilder gelesen wie hier! Wir sind dann also weiter, zu den Affen:

Fast hätte ich den kleinen Pinguin vergessen- die Haltung, einfach nur köstlich:

Der Pinguin by Wanda

Letztendlich kamen wir dann zu dem großen Freigehege für alles möglichen größeren vierbeinigen tiere: Giraffen, Elefanten, Nashörner, Nilpferd, Antilopen etc.

Und so weiter, wir kennen das ja. leider hat der Zoo danach zugemacht. Wir hatten aber das Glück, dass uns einer der Wärter von dort aus mitgenommen hat, wie er dann diese Tiere in die Käfige gebracht hat und so standen wir Auge in Auge mit Nashörnern- die konnten uns leiden, denn es waren Männer. Wurden argwöhnisch von den Giraffen verfolgt, denn es waren Weibchen und haben Straußen beim Essen aus 30 Zentimeter Entfernung zugeschaut. Ich glaube, so etwas passiert nur in Israel!

Er hat uns dann mit seinem vierrädrigen kleinen Auto mitgenommen, und uns fast bis zum Ausgang gefahren! Ein sehr toller Tag. Und als ob das alles noch nicht genug gewesen wäre, haben wir dann dieses Prachtstück auf einem parkplatz gesehen und mussten einfach abdrücken:

Den rest kann man eigentlich vergessen. 1 Stunde warten auf das Ende des Shabat um in der malha mall etwas zu essen, eine weitere Stunde damit die Essensläden aufmachen. Dann lasagne nehmen, weil der Asiate noch länger gebraucht hätte. Wie sauer die Lasagne geschmeckt hat und wie man vor lauter Soße die lasagnenblätter weder gesehen noch geschmeckt hat. Wie wir es dann zurückgegeben haben. Wie ich beim Versuch es zurückzugeben meine Lasagne auf die anderen ausgestellten Lasagnen werfe (tja das kommt davon), fast einen lachkrampf bekomme, und wie wir dann Pizza als Ausgleich bekommen. Die natürlich auch nicht besonders gut war!

Ein sehr toller Tag!

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Topographie des Terrors

Nach einem stressfreien Arbeitstag ging es mit einigen Kollegen von ASF zu einer der bekanntesten Erinnerungsaustellungen Berlins- in der Nähe des Potsdamer Platzes. Ein ehemaliger ASF Freiwilliger arbeitet dort und so bekamen wir eine sehr interessante Führung.

Und es ist einer dieser sehr geschichtsträchtigen Orte Berlins. Nicht nur steht direkt vor dem neuen Dokumentationszentrum einer der einzigen noch verbliebenen Teile der Berliner Mauer, sondern das Dokumentationszentrum selbst ist genau an dem Platz errichtet worden, an dem zwischen 1933 und 1945 das geheime Staatspolizeiamt, die Reichsführungs- SS und ab Beginn des Zweiten Weltkrieges auch das Reichsicherheitshauptamt und der Sicherheitsdienst der SS (SD) standen. Also der gesamte Verfolgungsapparat Nazi-Deutschlands.

Rund 5000 Nazis arbeiteten dort in direkter Nachbarschaft der Regierungskreise Berlins und waren damit immer genau im Bilde, was in der Welt und in Nazi-Deutschland vor sich ging.
Obwohl die Gebäude bis 1945 von der SS genutzt und als „wiederaufbaufähig“ eingeschätzt wurden, sind sie abgerissen worden und es entstand ein Verkehrsübungsplatz und eine Bauschuttverwertungsfirma- wie um die begangenen Gräueltaten einzubetonieren.

Und eine Zeit lang hat es auch geklappt, aber ab 1979/1980 diskutiert, wurde zur 750 Jahrfeier Berlins 1987 auf diesem Platz in einem Pavillon die Dokumentation eröffnet. Im Mai 2010 wurde endlich das neue Dokumentationszentrum fertiggestellt.
Und es ist absolut einen Besuch Wert. Der Eintritt ist frei, aber Führungen müssen vorher vereinbart werden.

Vieles habe ich im Kern schon so gewusst, aber neu und erschreckend zugleich war für mich zu erfahren, wie wieviele einfach so davon gekommen sind . Und ich spreche nicht von den 30% der Deutschen die Hitler gewählt haben.  Sowohl der Westen, als auch der Osten hatten anscheinend ein großes Interesse daran, die BRD bzw. DDR im Kalten Krieg auf ihrer Seite zu haben.

Ein ziemlich aktuelles Beispiel ist Martin Sandberger:

„Er trat einst auf, ob in Tallinn oder Verona, als Halbgott im feldgrauen Tuch der SS. Insgesamt 5643 Exekutionen unter seinem Kommando gab es auf estnischem Boden allein während des ersten Jahres der Nazi-Herrschaft. Im Zenit seiner vom „Führer“ geborgten Macht genügten Sandberger hinter der Ostfront Federstriche, um ein „für die Volksgemeinschaft absolut wertloses Subjekt“, so seine Worte damals, hinrichten zu lassen.“
[…]
Die Ermordung von über einer Million Menschen sollen Sandberger und seine anfänglich 23 Mitangeklagten allein in Osteuropa zu verantworten haben. 14 Todesurteile werden gegen sie verhängt – mehr als im Hauptkriegsverbrecher-Prozess gegen Göring, Streicher, Frank und andere“

(Spiegel online)

Er kam 1951 aus dem Gefängnis frei und starb am 30. März 2010 im Stuttgarter Seniorenstift im Alter von 98 Jahren. (Ein Monat Grundgebühr kostet 2500 Euro dort)
Aber wie sein ehemaliger Juraprofessor und späterer Fraktionsvize der SPD im Bundestag schon sagte:

„Sandberger wäre ein ordentlicher Beamter geworden, […] „ohne den Einbruch der Herrschaft des Nationalsozialismus“.“

wäre.