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Das Jerusalem Open House (JOH)

Ich hatte schon einiges erzählt darüber, wo man denn in Jerusalem so hingehen kann und was daran auffällt- es ist meistens „Yaffo“ – die Yaffo Street. Rechts und links Cafes, Bars und Läden in alten sandsteinernen Jerusalemer Gebäuden und in der Mitte dann die Strassenbahn. Ein Kontrast- den dieses Bild ganz gut zusammenfasst:

Die Strassenbahn und Jerusalem

Mit der Vielfalt an unterschiedlichsten Leuten, die sich dort aufhalten, sollte es eigentlich ein eher offener Ort in Jerusalem sein. Und das ist es bestimmt auch- wenn man nicht gerade ein Araber ist, der Donnerstag Abends auf einer Bank sitzt oder Freundinnen, die sich freundschaftlich umarmen. Dann hört der Spaß auf. Der Araber hatte dann das Vergnügen mit zwei Polizisten, die ihn „befragt“ und durchsucht haben- etwa eine halbe Stunde lang. Und als ich eine Freundin (freundschaftlich) umarmte, da stand die Zeit dann auch still. Ein Ultraorthodoxer Mann hält sich die Hände über die Augen und rennt vorbei. Sein 10 jähriger(geschätzt) Sohn schaut uns an, der Ekel steht ihm ins Gesicht geschrieben, er spuckt uns vor die Füße. Eine Frau läuft heran mit den Worten „Nicht schön (lo yaffe)“, bleibt einen Meter vor Uns stehen und wartet darauf, dass…! Und ich war baff- ein wenig befremdlich war es schon, aber es hat mir die Augen geöffnet über diese Stadt und einen Teil seiner Bevölkerung. Hier geht fast niemand Händchenhaltend durch die Stadt, und wenn ich so darüber nachdenke, habe ich noch niemanden tagsüber auf offener Strasse küssen sehen .

Das Resultat dieses Abends- ich bin häufiger im Open House und genieße die Zeit da so sehr, als ich mir das vor diesem Jahr hab vorstellen können.

Eingang zum Jerusalem Open House

Das Open House liegt in einer Que(e)rstrasse der Yaffo Street,. Wer richtig geeigt ist, kann die Regenbogenflagge selbst von der Yaffo Street sehen. Ich gehe die Treppen hoch in den ersten Stock und klingele. Anders als man vom Namen schliessen koennte, ist die Tür verschlossen- nach den Anschlaegen auf das LGBTQ Zentrum in Tel Aviv will hier niemand ein Risiko eingehen. Bei Veranstaltungen sitzt hier auch ein bewaffneter Sicherheitsmann vor der Tür. Ein paar Hunde kommen mir entgegengeschossen, begrüßen mich- die Atmosphäre ist einladend, offen- gemütlich. Ich nehme mir einen Tee und ein Buch aus der Bibliothek setze mich in einen Sessel und lasse Jerusalem hinter mir. Und dann wäre da auch noch meine Arbeit:

Dazu erst einmal so viel: Die Knesset diskutiert gerade einen Gesetzesentwurf, nachdem israelische liberale NGO’s kaum noch Spenden aus dem Ausland annehmen koennen. (Netanyahu ist gerade so richtig in fahrt gekommen mit seinem undemokratischen Unsinn und diskutiert auch ein Verbot von lautsprechern bei Miuzzin, mal schaun was noch so kommt…)

Natürlich gilt eine Organisation, die sich für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen einsetzt, hier als liberal, wenn nicht „ekelhaft“, wie ein Mitglied der Stadtverwaltung es ausdrückte. Doch zumindest der Oberste Gerichtshof hat solche propagandistischen und illegalen Gesetzesentwuerfe bis jetzt immer aufgehalten, und wird es (hoffentlich) auch dieses mal tun.

Leider wird den Anweisungen des Obersten Gerichtshofes in Israel nicht immer gleich Folge getragen. Da spricht das JOH aus Erfahrung: Seit Jahren weigerte sich die Stadtverwaltung unter einem religioesen Buergermeister, das Open House und damit die gesamte LGBTQ-Gemeinschaft in Jerusalem anzuerkennen. Letztes Jahr entschied das Gericht dann das Offensichtliche und forderte die Gleichbehandlung des Open Houses wie jedes andere Community Zentrum der Stadt. Gebracht hat das Wenig- die Stadtverwaltung bezahlt trotzdem nur 30.000 der 200.000 Schekel pro Jahr. Dem Open House fehlen also umgerechnet 32.000 Euro.

Und hier kommen alle Mitarbeiter des Open Houses ins Spiel- es gibt 4 1/2 Stellen und eine Menge Freiwilliger, die den Laden am Laufen halten: Organisieren von Projekten, Aktionen, Veranstaltungen (EnglishSpeakerGroup, Jugendabend 15-23 jährige,  Abende für LGBTQ Eltern; Delagationen, Shabatausklangsabend…), Arbeit in der Open Clinic (kostenlose und voll anonyme HIV tests) und in der psychologischen Hilfe, die Organisation der „Jerusalem Pride Parade“ und bestimmt noch mehr, was mir noch nicht so aufgefallen ist! Es ist viel! Nebenbei machen alle noch Fundraising- und da hatte mein Boss am ersten Tag den genialen Einfall- „Anne spricht deutsch. Deutschland hat Geld und ist tolerant und hilft überall in der Welt. Ergo- du machst Fundraising in Deutschland! “

So suche ich Stiftungen und Deadlines und wofür welche Stiftung Geld ausgibt und dann schreibe ich E-mails und e-mails und e-mails und schreibe über das Open House und so weiter und so fort. Und die Heruasforderung- für viele Projekte würde ich wahrscheinlich Spender finden, aber sie wollen ja unbedingt nicht-projektbezogene Spenden in Höhen von denen ich nicht einmal träumen mag. Eine Herausforderung, an der ich noch ein wenig zu Knabbern haben werde! Nebenbei übersetze ich dann auch noch ein paar Seiten von hebräisch ins englische (Fragt nicht- Google Translate und viel Zeitaufwand), damit die Homepage dann irgendwann auch auf englisch existiert!

Und freue mich, wenn ich für meine Freizeit ins Open House kommen kann! 🙂

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