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Meine Arbeit- die Schule (Teil 1)

Jaaa, ich arbeite wirklich schwer zu glauben? Für mich momentan auch. Aber sind auch nur noch zwei Wochen, dann habe ich wieder eine Woche muslimische Feiertage 🙂 I love my school^^

Ich arbeite in der
„Max Rayne School A Hand in Hand School for Bilingual Education in Jerusalem“

Das Eingansschild- so in etwa sehen alle Aufschriften aus! 😉

Die Fakten

Diese Schule ist die größte Zweigstelle des “Hand in Hand”(hebr. Yad be Yad) Projektes in Israel. Weitere Ableger gibt es in Haifa(Kindergarten und Grundschule) und Beersheva(Kindergarten) und in Galiläa. Der Schulkomplex hier in Jerusalem beinhaltet einen Kindergarten, eine Grundschule, eine Mittelschule und eine Gymnasialstufe! Insgesamt 530 Schüler und Schülerinnen- vom Kindergartenkind bis zum Abiturient- lernen und leben zusammen Toleranz. Das Ziel dieses Projektes ist es nämlich eine Verständigung zwischen jüdischen und arabischen Israelis durch eine gemeinsame Schulzeit mit allen Kulturen, allen Identitäten, allen Religionen und beiden Sprachen zu schaffen. Hier sitzen dann also christliche arabische Israelis, jüdische Israelis mit all ihren Migrationshintergründen und muslimische arabische Israelis gemeinsam in einer Klasse.
Die Max Rayne Foundation übrigens war der Geldgeber für das Gebäude des neuen Gebäudes! Daher der Name.

der Gebäudekomplex

Warum die Schule so einmalig ist bzw. ein Einblick in normale israelische Schulen

Wikipedia formuliert es positiv:

Das (israelische) Schulsystem ist auf die multikulturelle Bevölkerung abgestimmt. Es gibt unterschiedliche staatliche Schulen, deren Lehrplan an spezielle Gesichtspunkte, wie Sprache und Religion der Schüler, angepasst sind. Der kleinere Teil der israelischen Schüler besucht Privatschulen, die unter der Schirmherrschaft religiöser und internationaler Organisationen arbeiten.

Gut gemeint ist es schon, schließlich möchte man in einer multikulturellen Gesellschaft auch alle Identitäten bewahren und lehren; nur findet das hier anscheinend alles in exklusiven Schulen statt- extra Schulen für (Ultra)Orthodox-Jüdische Israelis, russisch-jüdische Israelis, Ethiopisch-jüdische Israelis, amerikanisch-jüdische Israelis und so weiter und so fort und Araber. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, jeder hat seine ganz eigene völlig korrekte Wahrheit und baut sich sein eigenes exklusives Weltbild. Das erste, was das ganze wieder aufbrechen kann, ist dann ironischerweise der Armeedienst. In diesem verrückten Land trägt die Armee wirklich zu Toleranz und einem friedlichem Miteinander bei. Zumindest unter denen, die dienen- die beiden größten Gruppen, die nicht dienen sind dementsprechend auch die, die am meisten Probleme mit dem israelischen Mainstream haben- Araber und Ultraorthodoxe. Nur der vollständigkeitshalber- beide Gruppen sind auch vom Armeedienst befreit. Das ist auch gut gemeint, Araber für den jüdischen Staat zum Kampf gegen andere Araber zu verpflichten, hört sich irgendwie genauso wenig kosher an, wie sehr Religiöse Menschen in ihrem Glauben einzuschränken und zum Dienst and der Waffe zu verpflichten.
Wie dumm nur, dass gut gemeint noch lange nicht gut ist!

Das Yad beYad Projekt versucht diesen multikulturellen Aspekt der Gesellschaft anders zu bewahren, nämlich durch ein Zusammenleben und lernen und einem aktiven Auseinandersetzen mit „dem Anderen“, vor allem bezogen auf die beiden großen Gruppen von Juden und Arabern!

Das Prinzip

Das Logo des Hand in Hand Projektes

dafür ist eigentlich leicht erklärt- es gibt einfach alles doppelt. Es gibt einen jüdischen und einen arabischen Direktor, einen jüdischen und arabischen Hausmeister, einen jüdischen und einen arabischen Kunstlehrer, jüdisch und arabische Sportlehrer, pro Klasse gibt es zwei Klassenlehrer (einen jüdischen und einen arabischen) und alle Aufschriften gibt es in, wer hätte es gedacht, hebräisch und arabisch (und englisch). Zu den Klassenlehrern muss ich noch sagen, dass sie nicht ihre Klassen behalten über mehrere Jahre wie in Deutschland, sondern dass sie in ihrer Klassenstufe bleiben und dadurch spezialisiert auf den Stoff der einzelnen Klassenstufen sind, aber die Schüler jedes Jahr wechseln.

Im Prinzip ist der Unterricht in Stunden mit den Klassenlehrern parallel auf hebräisch und arabisch und wenn es nur einen Lehrer gibt, dann unterrichtet der Lehrer in seiner Muttersprache. In den oberen Stufen ist es dann teils auch so, dass die Schüler mit dem gleichen Buch, aber jeder in seiner Muttersprache arbeitet. Insgesamt ein Riesensprachengewusel! 🙂 Und bei politischen Themen versuchen die lehrer vorher erst einmal untereinander zu diskutieren, um dann gemeinsam eine Linie für diese Diskussionen zu haben. Morgen Abend zum Beispiel treffen sich die Lehrer, um über Gilads Freilassung zu sprechen- da das Bildungsministerium eine Anfrage an alle Schulen geschickt hat, dass das besprochen werden soll. Und der Geschichtsunterricht- ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, aber alle sagen mir, dass im Unterricht über „israel“ ein jüdischer und ein arabischer lehrer zu einem geschichtlichen Zeitpunkt beide Perspektiven lehren und erklären und diese dann vergleichen. Das muss ich mir definitiv einmal anschauen später, wenn ich das ganze dann verstehen kann!

Wie das Prinzip in der alltäglichen Praxis aussieht, das werde ich dann bestimmt auch im Laufe des Jahres mitbekommen! 🙂

Vielleicht noch kurz. Weil es eine jüdisch-arabische Schule ist, läuft auch einiges wie Ferien und Schulzeiten anders als in anderen Schulen:

Die Unterrichtszeit in normalen staatlichen israelischen Schulen geht von ca. 8 Uhr bis 13:30! Hier bis 15:30, weil man möchte, dass die Kinder möglichst lange miteinander spielen, essen, lernen und leben. Die Zeit zwischen 13:30 und 15:30 wird dann aber nicht mehr aus öffentlichen Mitteln finanziert, sondern von den Eltern, was diese Schule zu einer Art halb-privaten halb-öffentlichen Schule macht.

Heute erst musste ich erfahren, dass Yad beYad nicht mehr Ferien hat, als andere öffentliche Schulen auch, sondern dass die Zeiten einfach nicht nur auf jüdische, sondern auf jüdische, muslimische und christliche Feiertage verteilt sind.

Soweit also erst einmal generell zu meiner Schule! Was ich da genau mache, kommt dann später! 🙂

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