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22, weiblich, Downsyndrom

Downsyndrom, Trisomie 21. Eine Genommutation des 21. Chromosoms. Häufige Merkmale sind ein vergleichsweise kleiner runder Kopf, ein kleiner Abstand zwischen den Augen,geistige Behinderung, Schwierigkeiten in der Motorik und häufig ein sehr gutes Sozialverhalten, aber Einschränkungen in der Sprache.

So weit das Schulwissen. Doch wie arbeitet man mit Menschen mit Downsyndrom? Wie spricht man mit ihnen? Was darf man ihnen an Aufgaben geben? Wieviel Aufmerksamkeit brauchen sie? Wie selbstständig können sie arbeiten? Wieviel begreifen sie? Kann man überhaupt von „sie“ reden?
Ich habe mein Biologieabitur mit 14 Punkten im Leistungskurs geschrieben. Ich weiß wie die Photosynthese funktioniert, kann den Citratzyklus auswendig, kann Kreuzschemata nach den Mendelschen Gesetzen anfertigen und kenne die Ursachen von vielen Erbkrankheiten. Doch diese Fragen kann ich nicht beantworten.

Am Dienstag stand sie dann etwas verschüchtert mit ihrem Arbeitsassistenten in der Tür.“Ich bin Fredi“ und schaute mich an. Wer von uns beiden unsicherer war, ist mir bis jetzt unklar. Sie, weil sie neu ist oder ich, weil ich nicht wusste, wie ich mit ihr umgehen sollte? Fredi wird uns in der stressigen Zeit der Bewerbungsphase- 1. November ist Beweberbungsschluss- helfen. Sie hat das Down-Syndrom.  3 Wochen lang bleibt sie vorerst, solange bin ich ihre direkte Ansprechpartnerin.

 

Nach dem sie drei mal auf dem Praktikumsvertrag mit Druckbuchstaben unterschrieben hatte, begannen wir die Führung durch das Büro. Unter anderem kamen wir auch an dem Postausgangskasten vorbei- eine ihrer Aufgaben wird es sein, die Post zu holen und sie zu frankieren. Jeder andere Praktikant hätte es mit einem „okay“ zur Kenntnis genommen. Nicht so Fredi, sie schaute mich an und lächelte aus vollem Herzen. Sie wollte schon immer einmal im Büro arbeiten, jetzt endlich hat sie die Chance dazu.

Warum ein Arbeitsassistent? Zum einen geht es darum, dass ihr Arbeitsassistent Fredi bei der Arbeit zur Seite steht und sie unterstützt, jedoch nicht ihre Arbeit macht. Zum anderen geht es darum, das zu tun, was wir „Normalos“ nicht können. Nämlich ihr die Arbeit verständlich zu erklären. Im Nachhinein ist es völlig logisch: Natürlich muss ich Fredi beim Kopieren auch zeigen, dass sie das zu kopierende Blatt mit dem Text auf der Unterseite auf den Kopierer packen soll. Natürlich kann ich nicht davon ausgehen, dass sie etwas damit anfangen kann, wenn ich ihr den Locher und die Blätter gebe und ihr sage, dass sie das bitte lochen soll. Und es ist auch logisch, dass sie nicht genau weiß, was sie tun soll, wenn ich ihr Hefte und Aufkleber gebe und ihr sage: “ Kannst du bitte die Aufkleber auf die Seite 27 der Broschüre kleben?“

Als Antwort von ihr kam dann immer „Bitte vormachen“ – ja sie ist ein sehr visueller Typ. Das habe ich schon gelernt. Und sie liebt Fussball, am liebsten „Deutschland“ . „Die ganze Manschaft“ . Sie schreibt sogar Fußballberichte ab, um besser schreiben zu lernen. In ihrer Freizeit- oh ja- an ihrem Ehrgeiz können sich so viele eine Scheibe abschneiden.

Eine ihrer fortlaufenden Aufgaben ist es , die Post aufzumachen und den Poststempel auf die Post zu stempeln. Immer wieder sagt sie „Schon viel weniger“ und dann lächele ich und sage “ Hey super!“, sie schaut mich zweifelnd an, worauf ich sage „Ich meine das völlig ernst“ . Dann lächelt sie mich an. Wenn sie nichts mehr zu tun hat, schaut sie mir über die Schulter, wie ich emails schreibe- sie hat zu Hause auch einen Laptop, daran übt sie schreiben. Bis nachmittags 15:30 arbeitet sie im Büro mit, dann geht sie nach Hause oder in den Zirkus, wo sie als Künstler unter anderem beim Trapez mitwirkt.

Es ist erstaunlich wieviel mehr Fredi als „die neue Praktikantin mit Down-Syndrom“ nach einer Woche ist. Es ist unbeschreiblich sie zu sehen, wie sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht arbeitet und erst die Arbeit zu Ende macht, bevor sie in ihre wohl verdiente Pause geht. Wie sie sich noch über ein bisschen Interesse und Anerkennung freuen kann- eben über die kleinen Dinge, die den meisten schon garnicht mehr auffallen- ein Lächeln zum Beispiel.

Die Arbeit mit ihr als unkompliziert und einfach zu beschreiben, wäre falsch, denn das ist sie nicht- die Arbeit mit ihr kann sehr anstrengend und zeitaufwenig werden. Und doch freue ich mich in gewisser Weise auf die nächsten 2 weiteren Wochen. Wer wohl mehr lernen wird in der Zeit- sie oder ich?

 

2 Antworten

  1. Vielleicht wird sie auf diese Bilden sehr freuen, falls du ihr diese zeugst… 😉 Viel Glück, leute mit downs ist manchmal sehr viel spaß, manchmal anstrengt. Ich habe vorher ein bisschen mit meine Freundins Bruder beschäftigt, der downs hat. Er machte jeden Tag das gleiche: er kam in unsere Kleide-laden, wo wir arbeitet, und sagte „Hallo“. Sehr Spaß! 😉 Es ist ein sehr gutes Lernen diese Leute zu helfen und mit sie zeit verwenden auf jedenfalls!

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