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Topographie des Terrors

Nach einem stressfreien Arbeitstag ging es mit einigen Kollegen von ASF zu einer der bekanntesten Erinnerungsaustellungen Berlins- in der Nähe des Potsdamer Platzes. Ein ehemaliger ASF Freiwilliger arbeitet dort und so bekamen wir eine sehr interessante Führung.

Und es ist einer dieser sehr geschichtsträchtigen Orte Berlins. Nicht nur steht direkt vor dem neuen Dokumentationszentrum einer der einzigen noch verbliebenen Teile der Berliner Mauer, sondern das Dokumentationszentrum selbst ist genau an dem Platz errichtet worden, an dem zwischen 1933 und 1945 das geheime Staatspolizeiamt, die Reichsführungs- SS und ab Beginn des Zweiten Weltkrieges auch das Reichsicherheitshauptamt und der Sicherheitsdienst der SS (SD) standen. Also der gesamte Verfolgungsapparat Nazi-Deutschlands.

Rund 5000 Nazis arbeiteten dort in direkter Nachbarschaft der Regierungskreise Berlins und waren damit immer genau im Bilde, was in der Welt und in Nazi-Deutschland vor sich ging.
Obwohl die Gebäude bis 1945 von der SS genutzt und als „wiederaufbaufähig“ eingeschätzt wurden, sind sie abgerissen worden und es entstand ein Verkehrsübungsplatz und eine Bauschuttverwertungsfirma- wie um die begangenen Gräueltaten einzubetonieren.

Und eine Zeit lang hat es auch geklappt, aber ab 1979/1980 diskutiert, wurde zur 750 Jahrfeier Berlins 1987 auf diesem Platz in einem Pavillon die Dokumentation eröffnet. Im Mai 2010 wurde endlich das neue Dokumentationszentrum fertiggestellt.
Und es ist absolut einen Besuch Wert. Der Eintritt ist frei, aber Führungen müssen vorher vereinbart werden.

Vieles habe ich im Kern schon so gewusst, aber neu und erschreckend zugleich war für mich zu erfahren, wie wieviele einfach so davon gekommen sind . Und ich spreche nicht von den 30% der Deutschen die Hitler gewählt haben.  Sowohl der Westen, als auch der Osten hatten anscheinend ein großes Interesse daran, die BRD bzw. DDR im Kalten Krieg auf ihrer Seite zu haben.

Ein ziemlich aktuelles Beispiel ist Martin Sandberger:

„Er trat einst auf, ob in Tallinn oder Verona, als Halbgott im feldgrauen Tuch der SS. Insgesamt 5643 Exekutionen unter seinem Kommando gab es auf estnischem Boden allein während des ersten Jahres der Nazi-Herrschaft. Im Zenit seiner vom „Führer“ geborgten Macht genügten Sandberger hinter der Ostfront Federstriche, um ein „für die Volksgemeinschaft absolut wertloses Subjekt“, so seine Worte damals, hinrichten zu lassen.“
[…]
Die Ermordung von über einer Million Menschen sollen Sandberger und seine anfänglich 23 Mitangeklagten allein in Osteuropa zu verantworten haben. 14 Todesurteile werden gegen sie verhängt – mehr als im Hauptkriegsverbrecher-Prozess gegen Göring, Streicher, Frank und andere“

(Spiegel online)

Er kam 1951 aus dem Gefängnis frei und starb am 30. März 2010 im Stuttgarter Seniorenstift im Alter von 98 Jahren. (Ein Monat Grundgebühr kostet 2500 Euro dort)
Aber wie sein ehemaliger Juraprofessor und späterer Fraktionsvize der SPD im Bundestag schon sagte:

„Sandberger wäre ein ordentlicher Beamter geworden, […] „ohne den Einbruch der Herrschaft des Nationalsozialismus“.“

wäre.

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